27.10.2020

Immunsystem und körperliche Aktivität

Was schon sehr lange allgemein bekannt ist, ist dass körperliche Aktivität eine schützende Wirkung auf das Herzkreislauf-System hat und Erkrankungen in diesem Bereich vorbeugt und für einen günstigeren Krankheitsverlauf sorgt.

Neuere Studien belegen auch einen positiven Einfluß  der körperlichen Aktivität auf das Immunsystem. Dieser Effekt ist jedoch abhängig von der Dauer und der Intensität der körperlichen Aktivität. Günstig wirken sich eine kürzere Belastungen mit einer mittleren Intensität aus. Dem gegenüber steht der Leistungssport, dessen hohe Trainings- und Wettkampfbelastungen auch zu einer Schwächung des Immunsystems führen können.

Generell nimmt die Immunabwehr mit höherem Alter ab. Insgesamt sind ältere Menschen daher auch anfälliger für Infektionen, Autoimmun- und Tumorerkrankungen. Trotzdem hat Training auch bei den älteren Personengruppen einen positiven Effekt auf das Immunsystem.

Die Skelettmuskulatur als größtes "Organ" des Körpers spielt dabei eine tragende Rolle, da die durch körperliche Aktivität bzw. Sport beeinflusste Regulation des Immunsystems auch mittel- und langfristige Wirkungen im Körper zeigt.


Funktion des Immunsystems: die Abwehr von Krankheitserregern

Das Immunsystem - auch Abwehrsystem genannt - schützt unseren Körper effektiv vor Krankheitserregern. Diese sind z. B. Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze oder Pollen.

In den Körper können diese Erreger über die Nahrung, über die Haut oder mit der Luft, die wir einatmen, eindringen. 
Zusätzlich zum Schutz vor körperfremden Erregern bekämpft das Immunsystem entartete körpereigene Zellen, z.B. Krebszellen.

Es gibt einige wichtige Organe, die an der Immunabwehr maßgeblich beteiligt sind. Dort werden Zellen zur Immunabwehr produziert, gesammelt oder transportiert. Dies sind das Knochenmark, die Thymusdrüse, der Darm, die Milz, die Mandeln, die Lymphknoten, die Schleimhäute und das Blut. Sie haben unterschiedliche Aufgaben, arbeiten aber eng zusammen.

Krankheitserreger können durch ein gut funktionierendes Zusammenspiel aller Organe der Immunabwehr frühzeitig identifiziert, bekämpft und erfolgreich beseitigt werden. Für einen umfassenden Schutz vor Krankheitserregern werden verschiedene Abwehrstrategien kombiniert.

Das Immunsystem ist sehr komplex. Es wird in zwei Kategorien unterteilt: Die unspezifische und die spezifische Abwehr.

1. Das unspezifische Immunsystem

Das unspezifische Immunsystem ist der Teil des körpereigenen Immunsystems, der von Geburt an vorhanden ist. Es ist das erste Schutzschild des Körpers. Es besteht aus verschiedenen Barrieren, kann sehr schnell reagieren, bildet jedoch kein Gedächtnis aus.

Diese erste Verteidigungslinie des Körpers verhindert das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper mit physikalischen und chemischen Barrieren. Beispiele sind der Säureschutzmantel der Haut, der saure pH-Wert im Magen oder auch Sekrete, die auf Schleimhautoberflächen zu finden sind. 

Wenn Erreger es dennoch schaffen, diese oberflächlichen Barrieren zu durchbrechen, werden bestimmte Abwehrzellen aktiv.

Sogenannte Fresszellen (z. B. Makrophagen, Granulozyten und NK-Zellen) erkennen körperfremde Substanzen und beseitigen sie, unabhängig davon, ob der Körper bereits Kontakt zu dieser Substanz hatte oder nicht. 

"Makrophage" bedeutet übersetzt: Riesenfresszelle. Die Zellen fressen eindringende Krankheitserreger. Sie können auch durch die Freisetzung von bestimmten Stoffen (Chemokine oder Cytokine) weitere Komponenten des Immunsystems aktivieren.

2. Das spezifische Immunsystem

Das spezifische Immunsystem antwortet auf Krankheitserreger mit speziell auf ihn zugeschnittenen Reaktionen. Es wird dann aktiv, sobald ein Eindringling die ersten Barrieren der unspezifischen Abwehr zu überwinden konnte.

Bestimmte Gruppen der weißen Blutkörperchen, wie zum Beispiel die B-Zellen (auch B-Lymphozyten oder Plasmazellen), spielen hier eine wichtige Rolle. Diese schütten große Mengen von Abwehrstoffen, die sogenannten Antikörper oder Immunglobuline, aus. Sie sind maßgeschneidert auf den eindringenden Krankheitserreger und erkennen bestimmte Strukturen auf der Oberfläche der Schadzellen. Sie passen zu den Erregern wie ein Schlüssel zu seinem Schloss, verbinden sich mit ihnen und leiten dadurch deren Zerstörung ein.

Die Produktion einer wirksamen Menge Antikörper kann bei einer ersten Infektion mit einem Erreger einige Wochen dauern. Gleichzeitig werden sogenannte Gedächtniszellen gebildet. Mit diesen kann der Körper einen Erreger später wieder erkennen.

Dann werden bei einer erneuten Infektion mit dem gleichen Erreger in sehr kurzer Zeit große Mengen Antikörper gebildet. Die Infektion wird nun sehr schnell und wirkungsvoll bekämpft.


Was passiert bei körperlicher Belastung im Körper?

Sehr anschaulich wird in einer schon etwas älteren, aber nach wie vor aktuellen Arbeit, dargestellt, welche Auswirkungem körperliche Belastung und Sport auf das Immunsystem hat.

Dt. Ärztebl 1998; 95: A-538-541 [Heft 10]

Starke Aktivierung der Immunabwehr direkt nach Start einer körperlichen Belastung

"Die Gesamtleukozytenzahl steigt nach einer intensiven Belastung (hier bestehend aus einer dreimal 15minütigen Intervallbelastung jeweils bis zur Erschöpfung) signifikant an; aus [5]. In der Nachbelastungsphase wird ein weiterer Anstieg beobachtet (* p < 0,05, ** p <0,01). Die Veränderungen der Gesamtleukozytenzahl werden überwiegend durch eine Granulozytose verursacht."

Dt. Ärztebl 1998; 95: A-538-541 [Heft 10]

Dt. Ärztebl 1998; 95: A-538-541 [Heft 10]

Geringste Infektanfälligkeit bei langfristig Trainierenden

"Im Rahmen einer Trainingsstudie mit älteren Frauen wurde die Häufigkeit von Atemwegsinfekten bei moderat Ausdauersporttreibenden (Wogging*) und bei Probanden, die Gymnastik ohne Kreislaufeffekt betrieben (im Sinne einer Plazebogruppe), verglichen. Hierbei fand sich eine signifikant niedrige Erkrankungsrate bei den Ausdauertrainierenden. Eine Gruppe von Alterssportlerinnen wurde parallel beobachtet. Sie hatten lebenslang trainiert, ihre Erkrankungshäufigkeit war am geringsten (Grafik mit freundlicher Genehmigung modifiziert aus [51])."

Dt. Ärztebl 1998; 95: A-538-541 [Heft 10]

 

* Unter Wogging versteht man eine Kombination von Gehen und Laufen, bei der zwischen beiden Aktivitäten gewechselt wird.

Dt. Ärztebl 1998; 95: A-538-541 [Heft 10]

Die Infektanfälligkeit ist verknüpft mit Umfang und Intensität der körperlichen Aktivität

"Die vorliegenden epidemiologischen Studien deuten eine j-förmige Beziehung zwischen körperlicher Aktivität und dem Risiko von Atemwegsinfekten an. Nichtsportler und sehr aktive Sportler haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Dagegen führt moderater Ausdauersport zu einer minimierten Rate an Atemwegsinfekten." 

Dt. Ärztebl 1998; 95: A-538-541 [Heft 10]

Baum, M. & Liesen, H. (1998). Sport und Immunsystem. Deutsches Ärzteblatt 95 (10)  S. 538 - 541

https://www.aerzteblatt.de/archiv/9761/Sport-und-Immunsystem


Fazit

Sport und körperliche Aktivität haben deswegen einen so großen Einfluss aufs Immunsystem, weil berücksichtigt werden muss, dass praktisch jede sportliche Aktivität in Abhängigkeit von Belastungsumfang und Belastungsintensität zu einer Stimulierung des Immunsystems führt und damit das Immunsystem mittrainiert wird.

Die Herausforderung für den Aufbau eines Trainingsprogramms liegt in der angemessenen Dosierung der Belastung, die sich an Leistungs- und Regenerationsfähigkeit des Einzelnen orientieren muss.


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